Bayern anonymisiert 50.000 Urteile mittels KI
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich hat das Ziel ausgegeben, in den kommenden Jahren 50.000 Urteile der bayerischen Justiz zu anonymisieren und zu veröffentlichen. Möglich wird das „Projekt 50k" durch das neue KI-Tools „ALeKS". Transparente und öffentlich zugängliche Urteile stärkten das Vertrauen in den Rechtsstaat und erleichtern die Einschätzung von Erfolgsaussichten, so der Minister. Zugleich bilde die breite Verfügbarkeit anonymisierter Urteile eine wichtige Grundlage für das Training KI-basierter Modelle und neue Legal-Tech-Anwendungen.
„ALeKS" wird seit dem 9. März 2026 erfolgreich beim Oberlandesgericht München getestet und nun auf weitere Nutzer ausgeweitet. Ob ein Urteil veröffentlicht wird, entscheidet weiterhin die zuständige Richterin bzw. der Richter. Bei einer positiven Entscheidung erfolgt die Anonymisierung durch zentrale Stellen bei den Oberlandesgerichten, die bis zum 1. Juli 2026 aufgebaut werden. Dort wird die automatisierte Anonymisierung durch eine manuelle Qualitätssicherung ergänzt. Das Tool entlastet die Justiz erheblich, da es viele Stunden händischer Arbeit erspart.
Hintergrund der Zielmarke von 50.000 Urteilen ist die bislang geringe Veröffentlichungsquote: Von jährlich hunderttausenden Entscheidungen in Deutschland sind nur etwa drei Prozent öffentlich zugänglich. Eisenreich betont, dass die manuelle Anonymisierung bislang ein wesentlicher Engpass war und nun in Sekunden erfolgen könne. Dadurch werde die Justiz entlastet und zugleich die Transparenz sowie der Zugang zum Recht gefördert.
„ALeKS" (Anonymisierungs- und Leitsatzerstellungs-Kit zur smarten Veröffentlichung von Gerichtsentscheidungen) basiert auf einem Forschungsprojekt mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Der dort entwickelte Prototyp wurde gemeinsam mit Niedersachsen weiterentwickelt und wird fortlaufend ausgebaut.

