Trendwende: Justizstatistik weist für 2019 eine Zunahme der Klagen aus

Der in den letzten Jahren zu verzeichnende, drastische Rückgang der Prozesszahlen an Deutschlands Zivilgerichten hat offenbar ein Ende gefunden. Wie sich aus der kürzlich vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Justizstatistik für 2019 ergibt, sind bei den Landgerichten 354.721 neue Zivilprozesse anhängig geworden, das sind rund 5 Prozent mehr als im Jahr davor. Bei den Amtsgerichten sind die Eingangszahlen ebenfalls, wenn auch nur um 0,4 Prozent angestiegen.

Bei den am LG erledigten Verfahren schlagen vor allem die Streitigkeiten aus Kaufverträgen zu Buche: Mit über 53.000 hat sich ihre Zahl gegenüber 2017 (damals waren es rund 24.000) mehr als verdoppelt. Dies legt laut Prof. Dr. Reinhard Greger den Schluss nahe, dass vor allem die massenhaften Dieselklagen für den neuen Boom bei der Ziviljustiz verantwortlich sind.

Bemerkenswert ist seiner Analyse zufolge auch, dass bei den Landgerichten wesentlich mehr Verfahren als im Vorjahr streitig entschieden werden mussten. Der Anteil der streitigen Urteile stieg von 29,9 Prozent im Jahr 2018 auf 34,9 Prozent in 2019 an, während der Anteil der gerichtlichen Vergleiche von 26,5 Prozent auf 22,9 Prozent zurückging. Gegenläufig ist der Trend bei den Güterichtern: Bei ihnen stieg die Zahl der gütlichen Erledigungen von 2.979 auf 3.320. Allerdings gelangt nach wie vor nur eine geringe Zahl von Prozessen zu ihnen. 2019 waren es rund 7.000 Verfahren, nur etwa zwei Prozent der insgesamt erledigten Sachen.


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 29.09.2020 14:02
Quelle: www.schlichtungs-forum.de, Statistisches Bundesamt, Fachserie 10 Reihe 2.1

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