Dieselskandal: VW und Verbraucherschützer feilschen bereits um die Entschädigung

Volkswagen und der Verbraucherverband haben Gespräche über eine außergerichtliche Lösung im Dieselstreit begonnen. Wie das Handelsblatt aus informierten Kreisen erfuhr, gab es bereits mehrere Termine, in denen die Streitparteien ihre Argumente ausgetauscht haben. Dabei geht es um Entschädigungen für Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns mit dem Motortyp EA189. Der Autobauer hatte die Diesel-Pkw jahrelang so manipuliert, dass sie auf der Straße weit mehr giftige Abgase ausstießen als auf dem Prüfstand.

An den Verhandlungen nehmen dem Vernehmen nach etwa zehn Personen teil, darunter VW-Chefjurist Manfred Döss und VZBV-Chef Klaus Müller. Der Volkswagen-Konzern tritt außerdem mit Juristen der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer an. Federführend mit den Verbraucherklagen befasst sind die Partner Martina de Lind van Wijngaarden und Hans-Patrick Schroeder. Für die Verbraucherschützer führen Vertreter der Kanzlei RUSS Litigation die Gespräche. Das sind Marco Rogert, Ralf Stoll, Ralph Sauer und Tobias Ulbrich. Auf Nachfrage wollten sich weder VW noch die Klägervertreter zu den Verhandlungen äußern. Es wurde strenge Vertraulichkeit vereinbart.

Dauer der Gespräche unklar

Wie lange die Gespräche dauern sollen, ist nicht bekannt. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass VW und VZBV bis zum 5. Mai 2020 zu einem Abschluss kommen wollen. Dann wird am Bundesgerichtshof ein erster Dieselfall verhandelt. Für beide Seiten ist damit ein gewisses Risiko verbunden: Ein verbraucherfreundliches Urteil würde die Ausgangslage für VW verschlechtern. Doch ebenso könnten Signale aus Karlsruhe Nachteile für die Verbraucher bringen.

Welche Zahlungen die VW-Käufer erwarten können, ist ungewiss. In den USA zahlte VW in der Regel Beträge jenseits von 10.000 US-Dollar, in Einzelfällen sogar 40.000 Dollar. In Deutschland sind solche Beträge utopisch. Einige Tausend Euro durchschnittlich sind dagegen laut Handelsblatt durchaus realistisch, darauf deuten zahlreiche Individualurteile und -vergleiche hin. In Summe kommt auf VW eine neue Milliardenlast zu.
 


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 11.02.2020 16:03
Quelle: www.handelsblatt.de v. 27.1.2020

zurück zur vorherigen Seite