Studie zur Mediation in grenzüberschreitenden Erbkonflikten

Die EU-Mediationsrichtlinie hat die Rolle der Mediation im Bereich der außergerichtlichen Streitbeilegung erheblich gestärkt, indem sie den Bürgern einen breiteren Zugang und somit eine umfassendere Nutzung dieser Konfliktlösungsmethode ermöglicht.

Dennoch ist Mediation in den Ländern unterschiedlich verankert, u.a. das Fehlen einheitlicher Qualitätsstandards in der Mediationsausbildungen in Europa wirke sich negativ auf das öffentliche Ansehen der Mediation aus. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsbericht, der von dem EU-geförderten Forschungsprojekt FOMENTO im Herbst vergangenen Jahres herausgegeben wurde.

Der theoretische Teil der Studie konzentriert sich auf die Umsetzung der Richtlinie 2008/52/EG ("Mediationsrichtlinie") und der Verordnung (EU) Nr. 650/2012 ("Erbrechtsverordnung") in sechs europäischen Ländern: Österreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und Schweden. Die quantitative Auswertung stützt sich auf statistische Zahlen sowie eine Online-Umfrage mit 752 Juristen und Bürgern, während der qualitative Teil auf Experteninterviews mit insgesamt 105 Anwälten, Notaren, Richtern und Mediatoren basiert, welche auf Erbfälle spezialisiert sind.

Als Vorteil von Mediation bei grenzüberschreitenden Erbschaftsmediationen hebt die Studie die Beiträge der nationalen Gesetzgebung zur Institutionalisierung der Mediation hervor, wie etwa die Standardisierung im Hinblick auf die Durchsetzbarkeit von Vergleichen, die Aussetzung der Verjährung und die Geheimhaltungspflicht für Mediatoren. Daneben werden unter Zeit- und Kostenaspekten Fortschritte in nationalen finanziellen Anreizsystemen (Italien) oder dem zunehmenden Einsatz von Online-Tools (Schweden) festgestellt. Auch wird die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den juristischen Berufsgruppen hervorgehoben und die Einrichtung weiterer europäischer Netzwerke empfohlen.

Als größte Hürde für Mediation im grenzüberschreitenden Kontext wird der Mangel an Wissen um die Methode und die Möglichkeiten und Vorteile der Nutzung von Mediation genannt. Daneben stelle die Professionalisierung der Mediatoren eine Schwachstelle dar. Die mangelnde Einheitlichkeit der Ausbildungsstandards in den EU-Ländern etwa wirke sich negativ auf das öffentliche Ansehen der Mediation aus.
 


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 05.06.2019 10:32
Quelle: www.fomentonet.eu

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