Wie das Konfliktmanagement der Zukunft aussieht

Wie hat sich der private und gesellschaftliche Umgang der Menschen miteinander in den letzten Jahren verändert? Streiten wir heute anders als gestern? Diesen und weiteren Fragen ging der 18. Mediations-Kongress 2019 in München nach, den die Centrale für Mediation bereits zum vierten Mal in Kooperation mit dem Munich Center for Dispute Resolution veranstaltete.

Unter der fachkundigen und souveränen Moderation von Prof. Dr. Beate Gsell und Dr. Martin Fries fühlten die Referentinnen und Referenten den aktuellen Fragen der konsensualen Konfliktlösung auf den Zahn.

Dazu gehört auch die Haftungsfrage des Anwaltsmediators, die sich seit einer BGH-Entscheidung aus dem letzten Jahr in neuem Licht stellt. Prof. Dr. Thomas Riehm betonte, dass Anwaltmediatoren ihre Rolle gegenüber den Mediationsparteien transparent machen müssen, so dass letzteren klar sei, dass sie keine Rechtsberatung vom Anwaltsmediator bekommen.

Auch das Thema Digitalisierung kam nicht zu kurz. Projektleiterin Corry van Zeeland stellte den Teilnehmern das Potential mediativer Techniken in Verbindung mit digitalen Möglichkeiten am Beispiel der Online-Plattform "rechtwijzer.nl" vor, welche in den Niederlanden bereits seit einigen Jahren im Einsatz ist.

Im Anschluss daran präsentierte Dr. Markus Troja anhand mehrerer Beispiele aus seiner Berufserfahrung „Die dunkle Seite der Mediation“. Die „dunklen Seiten“ der Mediation - in Anlehnung an Breithaupts „dunklen Seiten der Empathie“ - sollten Gefahren und Zusammenhänge aufzeigen, derer Troja sich erst im Laufe der Jahre bewusst geworden ist. Eine seiner Botschaften: echte Innovationen im Sinne von grundsätzlichen Veränderungen gingen in aller Regel auf eine gerichtliche Austragung der Konflikte zurück. Dies gelte vor allem für den Bereich Umweltschutz/Bauplanungsrecht. Eine weitere Beobachtung Trojas: Das unbedingte Win-Win-Denken verschleiere, dass sich auch der Kompromiss und das gegenseitige Einlenken positiv auf der Beziehungsebene auswirken können. Der Einzelne solle daher offen für Art und Notwendigkeit des Verfahrens sein.

Einen Impuls zum Blick über den Tellerrand gaben die Bundestagsabgeordnete Renate Künast und die Genderforscherin Prof. Dr. Isabell Welpe. Renate Künast lieferte eindrucksvolle Einsichten in die Verrohung der gesellschaftlichen Debattenkultur. Ausdrücklich warnte sie vor der angestrebten systematischen Zersetzung der demokratischen Ordnung durch das erstarkte rechtsextreme Spektrum und andere radikalisierte Bewegungen. Isabell Welpe demonstrierte kurzweilig und lebendig anhand zahlreicher Studien die Anfälligkeit für Stereotype, die zur unterschiedlichen Bewertung von Leistungen und damit zum Gender-Pay-Gap führen. Insbesondere Frauen müssten der Frage, ob und wie verhandelt wird, viel Aufmerksamkeit schenken und sich klar positionieren.

Für einen optimistisch stimmenden Abschluss des Kongresses sorgte Dr. Ulrich Hagel, der ein vielversprechendes Tool zur technologieunterstützten Wahl des im Einzelfall bestpassendsten ADR-Verfahrens im B2B-Bereich vorstellte, das erst wenige Stunden zuvor livegeschaltet worden war. Das sogenannte DiReCT-Tool ist das Ergebnis der mehrjährigen Arbeit des Round Table für Mediation und Konfliktmanagement (RTMKM) und steht auf rtmkm.de zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung. Siehe hierzu auch Wendenburg et alt. ZKM 2/2019, 63 ff. (aktuelles Heft).

Ausführliche Berichterstattung in den nächsten Ausgaben der Zeitschrift für Konfliktmanagement - ZKM.
 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 17.04.2019 10:37
Quelle: Elli-Luise Haag, Sebastian Henke und Melisa Keme, MuCDR

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