Aktuell in der ZKM

Der Deutsche Konfliktmanagementkodex (DKMK) (Steffek, ZKM 2019, 4)

Der vorliegende Beitrag wirbt für den Erlass eines Deutschen Konfliktmanagementkodex (DKMK). Der Kodex könnte dazu beitragen, das interne und externe Konfliktmanagement der Unternehmen in Deutschland zu verbessern. Der Kodex würde von der Regierungskommission Deutscher Konfliktmanagementkodex erlassen. Der Kerngedanke des Kodex ist, dass dessen Prinzipien guter Konfliktlösung von der Unternehmerschaft selbst entwickelt werden. Der Kodex würde den Unternehmen also nicht von außen auferlegt, sondern er würde die nationale und internationale Best Practice modernen Konfliktmanagements aus Sicht der Wirtschaft wiedergeben. Der Kodex könnte so eine neue Dynamik in Gang setzen, in der die Unternehmen im Eigeninteresse ihre gegenwärtige Praxis der Konfliktbewältigung auf den Prüfstand stellen und verbessern.

I. Überblick

II. Bedarf

III. Inhalt

IV. Adressaten

V. Regierungskommission Deutscher Konfliktmanagementkodex

VI. Rechtsnatur

VII. Publizität

VIII. Aktualisierung

IX. Einbettung

X. Zusammenfassung und Ausblick


I. Überblick

Der Beitrag entwirft die Idee eines Deutschen Konfliktmanagementkodex (DKMK). Der Text beginnt mit einem Hinweis auf empirische Studien, aus denen sich ein fortbestehender Bedarf nach einer Optimierung der Konfliktlösung auf Seiten der Unternehmen ergibt (unter II). Dann werden der Inhalt (unter III) und die Adressaten des Kodex (unter IV) vorgestellt. Im Anschluss daran werden die mit dem Erlass des Kodex beauftragte Regierungskommission Deutscher Konfliktmanagementkodex (unter V) und die Rechtsnatur des Kodex (unter VI) behandelt. Anschließend werden Detailfragen der Publizität (unter VII) und der Aktualisierung (unter VIII) diskutiert. Der Beitrag endet mit einem Blick auf die Einbettung des Kodex in weitere Aktivitäten der Regierungskommission Deutscher Konfliktmanagementkodex (unter IX) und einer Zusammenfassung samt Ausblick (unter X). Für die Entfaltung der Idee eines Deutschen Konfliktmanagementkodex greift der Beitrag auf die Erfahrungen zurück, die mit dem Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) gesammelt wurden.

II. Bedarf
Die Studienserie von PricewaterhouseCoopers und der Europa-Universität Viadrina hat die Entwicklung des Konfliktmanagements in der deutschen Wirtschaft im Verlauf eines Jahrzehnts empirisch beobachtet. Ein wesentlicher Aspekt ist der Vergleich der Eigenschaften, die Unternehmen an Konfliktlösungsverfahren schätzen, mit den Eigenschaften der Verfahren, die Unternehmen in der Praxis zur Konfliktbewältigung einsetzen. Die Unternehmen bewerten die Verhandlung am besten. Danach folgen in abnehmender Attraktivität die Mediation, die Schlichtung, das Schiedsgutachten, das Schiedsgerichtsverfahren und das Gerichtsverfahren. In der Nutzungshäufigkeit dominiert tatsächlich die Verhandlung, danach folgen in abnehmender Häufigkeit das Gerichtsverfahren, das Schiedsgerichtsverfahren, das Schiedsgutachten, die Schlichtung und die Mediation. Die Unternehmen handeln hinsichtlich des Einsatzes der Verhandlung also in Einklang mit ihren Interessen, agieren hinsichtlich der Auswahlhäufigkeit aller anderen Verfahren aber gegen ihre eigenen Präferenzen. Die Studien von PricewaterhouseCoopers und der Europa-Universität Viadrina zeigen dies sowohl für das Jahr 2005 als auch für das Jahr 2015 und münden in der Feststellung: „Die in unserer ersten Studie im Jahr 2005 entdeckte Diskrepanz zwischen Tun und Wollen lässt sich auch 2015 noch feststellen.“

Diese Diagnose stimmt mit dem Befund des vor Kurzem vorgelegten Zwischenberichts zur Funktionsweise der Allgemeinen Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung e.V. mit Sitz in Kehl überein. Darin bringen die Unternehmer klar zum Ausdruck, dass ein Gerichtsverfahren ihrer Einschätzung nach im Vergleich zur Verbraucherschlichtung länger gedauert, höheren Arbeitsaufwand für das Unternehmen veranlasst und höhere Kosten verursacht hätte. Dennoch konstatiert das Bundesamt für Justiz im kurz zuvor veröffentlichten Verbraucherschlichtungsbericht 2018 allgemein zur Situation der Verbraucherschlichtung in Deutschland: „Insgesamt zeigt sich, dass viele Unternehmer trotz erster positiver Entwicklungen offenbar noch nicht bereit sind, an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teilzunehmen.“ Auch hier wird deutlich, dass die Unternehmen ihre eigenen Präferenzen, darunter auch das Interesse an Gewinnerzielung, im Bereich der Konfliktbewältigung nicht konsistent in Handlungen umsetzen. Bedenkt man, dass der Ertrag und die Kosten der Konfliktbehandlung unmittelbar und mittelbar in das Unternehmensergebnis eingehen, bedeutet das, dass die Unternehmen Potentiale des Unternehmenserfolgs systematisch nicht ausschöpfen. Ein Konfliktmanagementkodex könnte das verbessern.

III.  Inhalt
Welchen Inhalt könnte der Deutsche Konfliktmanagementkodex haben? Der Kodex könnte sowohl die Behandlung unternehmensinterner Konflikte als auch den Umgang mit unternehmensexternen Konflikten umfassen. Unternehmensinterne Konflikte können Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern oder zwischen der Unternehmensleitung und Arbeitnehmern sein. Unternehmensexterne Konflikte können sowohl andere Unternehmen (B2B) als auch Verbraucher (B2C) betreffen. Klassische Beispiele sind ...


 


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 13.02.2019 10:48
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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