Interessenausgleich statt Streichelzoo: Die Schweiz und Deutschland sollen in der Friedensvermittlung noch enger zusammenrücken

Deutschland und die Schweiz sind ein ungleiches Geschwisterpaar, das sich in der Friedensmediation noch enger zusammenschließen sollte. Das fordern David Lanz, Co-Leiter des Mediationsprogramms von Swisspeace und Almut Wieland-Karimi, Geschäftsführerin des Berliner Zentrums für internationale Friedenseinsätze (ZIF), in einem Gastkommentar der Neuen Zürcher Zeitung, mit Blick auf die veränderte internationale Konfliktlandschaft.

"Konflikte sind häufiger und blutiger geworden. Gemäss der Uppsala-Universität gibt es heute doppelt so viele bewaffnete Konflikte und dreimal so viele Kriegstote wie vor zehn Jahren. Nie mehr seit dem Zweiten Weltkrieg waren so viele Menschen auf der Flucht. Auch sind Konflikte komplexer geworden", schreiben die Autoren.

Dass sich zwei Kriegsparteien gegenüberstehen, gebe es kaum mehr. Typisch seien vielmehr Kriege wie in Jemen, Syrien und Libyen, wo sich eine Vielzahl von bewaffneten Gruppen bekämpft und Regional- und Grossmächte im Krieg mitmischen. Auch seien im letzten Jahrzehnt weitere Herausforderungen hinzugekommen, wie organisierte Kriminalität, Cyberbedrohung und globaler Terrorismus.

Sollen wir deshalb den Bettel hinwerfen und uns aus der Friedensvermittlung zurückziehen? Das ist laut Lanz und Wieland-Karimi keine Option, schon gar nicht für Deutschland und die Schweiz. Denn die Konflikte betreffen uns unmittelbar. Friedensvermittlung bringe Konfliktparteien zur Kompromissfindung zusammen, am wirksamsten, bevor Konflikte eskalieren. Das sei oft schwierig, denn Vermittlung funktioniere nur, wenn Konfliktparteien Frieden wollen. "Aber wir müssen es immer wieder versuchen. Denn letztlich geht es um Interessenwahrung: woanders Kriege zu verhindern, um uns selbst zu schützen", konstatieren die Autoren weiter.

Deutschland und die Schweiz vereine in der Friedensvermittlung einiges: ihr Fokus auf zivile Mittel, ihre hohe Glaubwürdigkeit, die Verpflichtung zum multilateralen Handeln, die Aufgabe der Friedenswahrung und -förderung in ihren Verfassungen, das gemeinsame Engagement im Rahmen der OSZE zur Eindämmung der Ukraine-Krise sowie die Verankerung der Mediation in Regierung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. Und vor allem seien sie sich einig: Konflikte lassen sich dauerhaft nicht mit militärischen Mitteln lösen; dafür braucht es politische Verhandlungen und eine Übereinkunft, die von Konfliktparteien und der Bevölkerung in betroffenen Ländern getragen wird.

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 16.01.2019 13:19
Quelle: Neue Zürcher Zeitung

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