Heft 3 / 2020

In der aktuellen Ausgabe ZKM Heft 3 (Erscheinungstermin: 15. Juni 2020) lesen Sie folgende Beiträge und Entscheidungen.

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,, ZKM 2020, 79

Grundlagen Entwicklungen Methoden

Gläßer, Ulla / Sinemillioglu, Nora Sevbihiv / Wendenburg, Felix, Online-Mediation – Teil 1, ZKM 2020, 80-85

Die Anfänge digitaler Streitbeilegung (ODR) reichen bis in die 1990er Jahre zurück, aber trotz technisch vielfältiger Möglichkeiten wurden bis vor kurzem -Mediationen und Verhandlungen ganz überwiegend in Präsenz durchgeführt. Erst im Zuge der Corona-Krise hat sich in der Mediationsszene ein breites Interesse am Format der Online-Mediation entwickelt. Der erste Teil dieses zweiteiligen Artikels gibt einen Einblick in die technischen und praktischen Voraussetzungen und Umsetzungsmöglichkeiten von (synchroner) Online-Mediation. Sinnvolle Schritte für die Vor- und Nachbereitung sowie phasenspezifische Besonderheiten des Settings werden erörtert. Dies soll Mediatoren ermutigen, digitale Formate zu nutzen, um das eigene Dienstleistungsangebot zu erweitern.

Winheller, Andreas, (Nach-)Verhandlungen in Corona-Zeiten, ZKM 2020, 85-89

Praxiserfahrungen mit Verhandlungen in der Corona-Krise zeigen erneut (ökonomische) Vorteile einer Verhandlungsführung nach professionellen Standards. Verhandlungskompetenzen zählen zu Schlüsselqualifikationen von Mediatoren, Schiedsrichtern und vielen anderen ADR-Spezialisten. Der Verfasser schildert seine Verhandlungserfahrungen nach dem Corona-Lockdown und demonstriert anhand konkreter Fallbeispiele, wie sich die konsequente Anwendung erlernter Fertigkeiten und Kenntnisse (Interessenorientierung, Wertschöpfung, effektive Konfliktstrategie, Zustandsmanagement, Framing u.a.) in der Praxis in eine bessere Performance für beide Seiten auszahlen kann.

Greger, Reinhard, Geförderte Familienmediation in Berlin – Lehren aus einem Modellversuch, ZKM 2020, 90-93

Der von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz initiierte Modellversuch “Geförderte Familienmediation“ (BIGFAM) hat gezeigt, wie schwierig es ist, bereits im Gerichtsverfahren stehende Streitparteien für eine Konfliktlösung mittels Mediation zu motivieren. Er hat aber auch belegt, dass es aus rechts- und sozialstaatlichen Gründen ebenso wie in fiskalischer Hinsicht widersinnig ist, bei bestehender Mediationseignung zwar Kostenhilfe für die gerichtliche Auseinandersetzung zu gewähren, den Weg in die Mediation aber aus finanziellen Gründen scheitern zu lassen. Die Erfahrungen aus dem Projekt und die daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen werden nachstehend vom Verfasser des Evaluationsberichts aufgezeigt.

Spangenberg, Brigitte / Spangenberg, Ernst, Die Zusammenarbeit zwischen Familiengerichten und außergerichtlichen Mediatoren, ZKM 2020, 93-97

Die Verfasser erörtern, welche Konflikte sich eher für eine gerichtliche und welche sich eher für eine mediative Lösung eignen, welchen Konfliktparteien man zur Mediation raten und welchen man abraten sollte und welche Überzeugungen eine Zusammenarbeit zwischen Richterin und außergerichtlichem Mediator erleichtern. Ziel der Erörterungen ist es, Reibungswiderstände abzubauen.

Marshall, Maria / Martin, Gerlind, Elder Mediation: Den Wandel gestalten, ZKM 2020, 98-102

Warum ist es für Mediatoren hilfreich, das Konzept der filialen/parentalen Krise und Reife zu kennen? Warum ist es für Mediatorinnen wichtig, über gerontologisches Wissen zu verfügen? Weil die gemeinsame Lebenszeit von Eltern, Kindern und Kindeskindern sich aufgrund der steigenden Lebenserwartung wesentlich verlängert. Und weil Familie auch nach 60 und speziell im höheren Alter offensichtlich ein Hauptbezugspunkt für viele Frauen und Männer bleibt (s. nur Generali Altersstudie von 2013, Hrsg. Institut für Demoskopie Allensbach). Doch die Rollen und Bedürfnisse von Eltern, Kindern und Enkeln verändern sich, was zu Konflikten führen kann. Dieser Teil 2 des Beitrags befasst sich mit relevanten gerontologischen Erkenntnissen und zeigt anhand von Praxisbeispielen, was aus Sicht der Autorinnen für Altersmediation charakteristisch ist. Im bereits erschienenen Beitragsteil (ZKM 2/2020, 60 ff.) wurden Hintergründe und Zusammenhänge für das Verständnis von Entwicklungsprozessen im Alter erläutert.

Praxis Projekte Erfahrungen

Lütkehaus, Isabell, “Ich kann dich nicht riechen“, ZKM 2020, 102-104

Auch ohne Pandemie kann es hilfreich sein, sich nicht in einem Raum befinden zu müssen. Die Verfasserin schildert ihre vielseitigen Online-Erfahrungen vor und während der Corona-Krise und macht sich dafür stark, die Vorteile der Online-Mediation auch in Nach-Pandemie-Zeiten zu nutzen.

Schwittek, Eva / von Baumbach, Christian, Konfliktbearbeitung über Distanz, ZKM 2020, 104-106

Wir hatten schon länger vor, unsere Erfahrungen mit der Online-Mediation zu Papier zu bringen. Sie beruhen in erster Linie auf internationalen Familien-Mediationen, die wir teilweise gemeinsam durchgeführt haben. Dann kam Corona, und plötzlich mussten wir – wie viele Kollegen – ganz auf virtuelle Streitbeilegung umstellen.

Zur Diskussion gestellt

Steinbrecher, Alexander, Warum Wirtschaftsmediation in Deutschland nicht stattfindet und wie sich das ändern könnte, ZKM 2020, 107-111

Seit fast acht Jahren gibt es das Mediationsgesetz. Für die Mediationsszene hat es viel Nabelschau gebracht. Für Wirtschaftsunternehmen hat es wenig gebracht. Solange die Nutzerperspektive von Unternehmen nicht in den Fokus rückt, wird Wirtschaftsmediation weiterhin nicht stattfinden.

Kägi, Adrian, Scheidungsmediation – Prozessrechtliche Scheinförderung in der Schweiz?, ZKM 2020, 111-113

Das Verhältnis von Gerichtsverfahren und Mediation ist Gegenstand zahlreicher Abhandlungen auch hier zu Lande. Der Autor bereichert den Diskurs um die Erfahrungen aus einem gesetzgeberischen Regelungsversuch. Im Fokus des Beitrags steht die Frage, ob die Schweiz mit den aktuellen zivilprozessualen Bestimmungen eine genügende Grundlage für die Förderung von Scheidungsmediationen geschaffen hat.

Interview

Mickley, Angela, Konflikte im kulturellen Minenfeld – Chancen für Mediation?, ZKM 2020, 114-116

Wissenswertes

BGH, Beschl. v. 6.2.2020 – I ZB 44/19, Unklare Schiedsklauseln führen zum staatlichen Gericht, ZKM 2020, 117

EuGH, Urt. v. 14.5.2020 – C?667/18, EuGH zur freien Anwaltswahl im außergerichtlichen Vermittlungsverfahren, ZKM 2020, 117

BT Drucks. 19/17824 und 19/18374, Einsatz von Mediatoren in Streitigkeiten des Bundes, ZKM 2020, 117-118

https://ottosc.hm/EQvVH, Expertenstreit über Legal Tech, ZKM 2020, 118

Pressemitteilungen der LG Berlin und LG Braunschweig, Justiz setzt Inkasso-Dienstleistern Grenzen, ZKM 2020, 118

https://sccinstitute.com/about-the-scc/news/2020/, Schiedsgerichtsbarkeit trotzt Corona-Krise, ZKM 2020, 118-119

https://www.verbraucher-schlichter.de/media/file/76.Taetigkeitsbericht_2019.pdf, Verbraucherschlichtung: Viele Unternehmer blenden sich aus, ZKM 2020, 119

Schiedsgerichts-Institut der Handelskammer Stockholm (SCC), Zahl der Schiedsverfahren bleibt überschaubar, Internationalität groß, ZKM 2020, 119

Eine Auswertung der Jahresberichte 2019 findet sich unter https://www.schlichtungs-forum.de, Verbraucherschlichtung tritt auf der Stelle, ZKM 2020, 119

Verlag Dr. Otto-Schmidt vom 16.06.2020