Problemfeld Schule

Mediation in einem Lehrerkollegium

Konflikte sind an vielen Schulen trauriger Alltag. Doch Schüler können nur lernen, miteinander auszukommen und Toleranz zu üben, wenn das Lehrerkollegium mit gutem Beispiel vorangeht. Aber auch unter den Pädagogen herrscht nicht immer traute Eintracht, wie ein von der Centrale für Mediation mitgeteilter Fall zeigt.

Das Kollegium einer privaten Schule bestand zur Hälfte aus Lehrern, die schon über zehn Jahre dort arbeiteten und aus Kollegen, die später hinzugekommen waren. Seit einem mehrere Jahre zurückliegenden Streit auf einem Schulausflug  standen sich die älteren und jüngeren Kollegen in zwei getrennten Lagern gegenüber. Der damalige Konflikt war so massiv eskaliert, dass eine Lehrkraft unmittelbar nach dem Ausflug aus dem Dienst geschieden war. Seitdem gab es unter den Lehrern keine gemeinsame Vertrauensbasis mehr. Probleme wurden zwischen den dienstälteren und den neu hinzugekommenen Pädagogen nicht offen besprochen und raubten deshalb viel Energie. Schließlich suchte das Kollegium Hilfe bei einem Mediator.

Im Rahmen eines ersten Gespräches konnten sich zunächst  alle Beteiligten dazu äußern, was sie gerne verbessern würden. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass das Kernproblem übereinstimmend  in der Art und Weise der gemeinsamen Bearbeitung und Lösung von Konflikten gesehen wurde.  In der zweiten Sitzung leitete der Mediator dann einen Perspektivenwechsel zwischen älteren und jüngeren Kollegen ein: Dazu bekam jede der beiden Gruppen die Aufgabe, sich mit den Bedürfnissen der anderen auseinander zu setzen: Die dienstälteren Kollegen sollten sich in die neu hinzugekommen hineinversetzen und darüber Gedanken machen, was diesen bei der Bearbeitung des Kernthemas besonders wichtig war. Die jüngeren Lehrer taten im Gegenzug das gleiche.

Anschließend wurden in einem weiteren Schritt gemeinsam Lösungsvorschläge unter Berücksichtigung der zuvor herausgearbeiteten Interessen entwickelt. Dabei konzentrierten sich die Beteiligten zum Schluss nur noch auf zwei Kernpunkte: Erstens Maßnahmen zur Teamentwicklung und zweitens den Umgang mit zukünftigen Konflikten. Dazu wurden sodann detaillierte Maßnahmenpläne erstellt. Die Beteiligten formulierten Vereinbarungen zur Teamentwicklung, wie zum Beispiel die Einführung eines wöchentlichen gemeinsamen Frühstücks des Kollegiums, aus und trafen Regelungen zum Umgang mit zukünftigen Konflikten. Hierzu gehörte zum Beispiel die Errichtung eines „Frühwarnsystems“ mit einer jährlich zu wählenden Konfliktbeauftragten, die Festlegung eines Stufenmodells zur Konfliktbearbeitung sowie die Formulierung eines Leitbildes zum generellen Umgang mit Konflikten in der Schule.

Zum Schluss zeigten sich die Medianten mit den Ergebnissen zufrieden. Der Umgang miteinander hatte sich deutlich verbessert. Probleme wurden nun viel schneller und offener angesprochen, wodurch auch deutlich weniger Missverständnisse und Streitigkeiten auftraten. Das Lehrerkollegium wuchs mehr und mehr als Team zusammen, wovon insbesondere die jüngeren Mitarbeiter profitierten.  Die Energie, die vorher durch interne Streitigkeiten aufgezehrt worden war, konnten die Pädagogen nunmehr wieder ihren Schülern widmen.

 


Köln, im Februar 2007

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Bitte Beleg an: Centrale für Mediation,
Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln


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