Wenn Projekte zu scheitern drohen

Der Albtraum eines jeden Projektleiters: Sein Vorhaben, in das viel Zeit, Energie und vor allem Geld investiert wurde, gerät kurz vor Schluss in unerwartete Schwierigkeiten.

Niemand will dafür einstehen. Die Beziehungen zwischen den Verantwortlichen sind nachhaltig gestört, die Kommunikation derweil unsachlich und sogar ausfallend. Letztlich verrinnt die Zeit, und das Projekt droht zu scheitern.

So geschehen bei einer Fitness-Studio-Kette, die ihre Einrichtungen und Dienstleistungen exklusiv über Franchisepartner anbot. Das Unternehmen wollte die bislang manuellen Arbeitsabläufe in den einzelnen Filialen auf ein neues IT-System umstellen. Durch die Neuerung sollten die Media-Erfolgskontrolle und die Verwaltung der Neukundendaten sowie die damit verbundenen Provisionsabrechnungen vereinfacht werden. Die Franchisepartner verpflichteten sich deshalb dazu, bis zum Starttermin verschiedene Hard- und Softwareinvestitionen zu tätigen. Im Gegenzug sollten sie vom gleichen Termin an höhere Provisionen vom Franchisegeber erhalten. Doch in der Beta-Testphase traten beim beauftragten Systemhaus plötzlich Schwierigkeiten auf. Weil ein Subunternehmen - ein Softwarehersteller - überdies jede weitere Leistung verweigerte, blieb der Starttermin für das neue IT-System offen.

Das Fitness-Unternehmen verweigerte daraufhin die Abnahme und stellte wegen des erwarteten kostspieligen Zeitverzuges die Zahlungen an das Systemhaus ein. Die Möglichkeit, kurzfristig auf ein anderes Systemhaus auszuweichen, schied aus. Gleichzeitig sah sich die Fitness-Studio-Kette aber ihren Franchisepartnern gegenüber, die ja Investitionen getätigt hatten, in der Pflicht, die höheren Provisionen zu zahlen. Die Aussichten auf eine Entschädigung waren getrübt, denn das leitende Systemhaus stand zu allem Überfluss kurz vor der Insolvenz. Eine fatale Situation. Fortan war eine sachliche Kommunikation zwischen den Verantwortlichen nicht mehr möglich. Schuldzuweisungen und Feindseligkeiten verhärteten die Fronten. Das Projekt drohte endgültig zu scheitern. Doch ein Wirtschaftsmediator schaffte die überraschende Wende.

Mit speziellen Techniken brachte der Mediator die Projektverantwortlichen der Fitness-Kette, des Systemhauses und des Softwareherstellers zunächst dazu, die Sichtweise des jeweils anderen zu erkennen und zu akzeptieren. Danach war das Eis gebrochen. Wie sich herausstellte, hatten alle Beteiligten Fehler gemacht und waren unter enormen Druck geraten. Ein gestörter Informationsaustausch während des gesamten Projektes hatte dafür gesorgt, dass wesentliche Programmfunktionen an den sachlichen Anforderungen des Fitness-Unternehmens vorbei entwickelt worden waren. Dieses Problem galt es zu lösen. Und zwar zukunftsorientiert und so, dass sich niemand benachteiligt fühlte.

Am Ende einigten sich die drei Projektverantwortlichen in einer Mediationsvereinbarung auf ein ganzes Paket voller Eckpunkte. Unter anderem verpflichteten sich das Systemhaus und der Softwarehersteller, mit zusätzlichem Personal die Kernfunktionen des Projektes schnellstmöglich umzusetzen. Im Gegenzug sagte das Fitness-Unternehmen die vertragsgemäße Bezahlung dieser Verrichtung zu und verzichtete auf Schadensersatzansprüche. Ergänzungsfunktionen für das IT-System sollten danach über neue Projektaufträge abgewickelt werden. Die erfolgreiche Umsetzung überwachte fortan der Mediator. Eine nachhaltige und günstige Lösung, an die kurz zuvor keiner mehr so richtig geglaubt hatte.


Köln, im April 2007

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Bitte Beleg an: Centrale für Mediation,
Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln


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