Mietermediation minimiert Kosten
"Man kann nicht länger Frieden halten, als der Nachbar will", heißt es in einem deutschen Sprichwort. Manchmal sind es einfache Gegenstände wie Schuhe im Hausflur, die den Anstoß zu einem Nachbarstreit geben.Schnell herrscht eisige Stimmung im Haus. Der Kontakt bricht vollständig ab. Und anstelle der Schuhe ist plötzlich der Nachbar selbst der „Störenfried“. Übliche Folge: Der Streit eskaliert.
Doch solche Mieterkonflikte sind nicht nur für die unmittelbar betroffenen Hausbewohner ein großes Ärgernis. Den Vermietern bescheren sie meist kosten- und zeitintensive Gerichtsverfahren, Mieterwechsel und mögliche Leerstände. Deshalb greifen gewerbliche wie private Vermieter immer häufiger auf das Konzept der Mietermediation zurück. „Professionelles Konfliktmanagement hilft den Mietern dabei, den Hausfrieden wiederherzustellen und dadurch die Wohnqualität zu erhalten“, erklärt Dr. Karen Engler, Leiterin der Centrale für Mediation. „Zudem kann ein Vermieter die betriebswirtschaftlichen Folgekosten, die ein Mieterkonflikt ansonsten produziert, minimieren“, so Engler.
Meistens sind es unterschiedliche Lebensstile und Werte der Mieter sowie Differenzen über Regeln und Ordnungskonzepte in der Hausgemeinschaft, die Streit verursachen. Statt einer Abmahnung, Kündigung oder Klage kann die Mietermediation eingesetzt werden. Die Mietergemeinschaft hat so die Möglichkeit, selbst eine Lösung zu erarbeiten, in der jeder seine Interessen beachtet sieht. Sie kann neue Regeln aufstellen, die dann von allen getragen werden.
So geschehen in einem Mietshaus in Niedersachsen, in das ein Paar eingezogen war. Die jungen Leute machten sich mit ihrer Tierliebe sehr schnell unbeliebt bei den restlichen sieben Mietparteien. Ein bellender Hund, der häufig alleine in der Wohnung war, sowie 28 Nattern, sechs Echsen und fünf Geckos waren den Nachbarn ein Dorn im Auge. Zumal die Reptilien mit Grillen und Mäusen aus Eigenzucht gefüttert wurden. Aus dem Keller stanken die Mäuse, und die Grillen hüpften durch den Lüftungsschacht in die anderen Wohnungen. Die Nachbarn beschwerten sich mehrfach beim Vermieter, und dieser beauftragte zwei Mediatoren mit der Lösung des Konfliktes.
In Einzelgesprächen mit den Mediatoren konnten die Mitbewohner zunächst ihr Herz ausschütten. Im Gegenzug erfuhren die Mediatoren Einzelheiten über die Art des Konfliktes, die am stärksten involvierten Personen und die nicht zu unterschätzende Gruppendynamik. Dabei stellte sich zum Beispiel heraus, dass einige Mitbewohner extreme Angst vor Schlangen hatten.
In einer Mieterversammlung vermittelten die Mediatoren dann zwischen den Nachbarn. Sie listeten die klärungsbedürftigen Punkte auf und befragten die einzelnen Mieter nach ihren Wünschen, Bedürfnissen und Befürchtungen. Anschließend sammelten die Beteiligten Lösungsoptionen und verhandelten darüber. Schließlich einigten sie sich darauf, dass das tierliebe Paar sich eine sichere und artgerechte Haltung der Reptilien bei einer Veterinärbehörde attestieren lassen sollte. Zudem verzichteten die beiden darauf, weiterhin Lebendfutter zu züchten. Als letztes verpflichtete sich das Paar dazu, den Nachbarn seine Handynummern zu geben, damit diese es bei künftigen Bellattacken des Hundes schnell benachrichtigen konnten. Am Ende unterschrieben alle Mitbewohner ein Mieterprotokoll mit den einzelnen Vereinbarungen, die daraufhin für sie verbindlich wurden.
Nach weniger als drei Stunden war die Mediation beendet und der Hausfrieden endlich hergestellt.
Köln, im August 2006
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Bitte Beleg an: Centrale für Mediation,
Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln

