Mobbing am Arbeitsplatz: Mediatoren können helfen

Konflikte am Arbeitsplatz kommen in vielen Unternehmen vor. Streitigkeiten innerhalb von  Teams haben nicht nur eine Beeinträchtigung der Zusammenarbeit und schlechtere Arbeitsergebnisse zur Folge.

Manchmal führen sie so weit, dass der eine oder andere Arbeitnehmer das Unternehmen verlässt – freiwillig oder auch unfreiwillig. So mancher Streit landet sogar vor Gericht. 

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, Konflikte am Arbeitsplatz zu entschärfen und den Frieden im Unternehmen wiederherzustellen - im Interesse einer besseren zukünftigen Zusammenarbeit. Insbesondere die Konfliktlösungsmethode der Mediation gewinnt hier zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen nutzen sie als kostengünstiges und effizientes Instrument zur Konfliktbearbeitung. „Empirischen Untersuchungen zufolge haben Mediationen eine Erfolgsquote zwischen 70 und 80 Prozent, d.h. sie erbringen einen großen betriebswirtschaftlichen Nutzen. Aus diesem Grunde bauen auch immer mehr Firmen Mediation als festen Bestandteil in ihr Konfliktregelungssystem ein“, erklärt Dr. Karen Engler, Leiterin der Centrale für Mediation.
 
Ein Fall aus der Praxis: In einer Firma war ein zweiköpfiges Mitarbeiterinnen-Team mit Sachbearbeitung betraut. Beide Frauen gehörten schon länger zum Unternehmen, waren gut eingespielt und arbeiteten kooperativ zusammen. Im Zuge von Kapazitätserweiterungen wurde eine neue Mitarbeiterin eingestellt.  Diese war deutlich jünger als die beiden Kolleginnen und hochmotiviert. Bereits nach kurzer Einarbeitungszeit versuchte sie, Verbesserungsvorschläge in die Teamarbeit einzubringen. Die beiden Kolleginnen reagierten abwehrend auf diese Initiativen. Sie fürchteten, dass die jüngere Kollegin sie von ihren Arbeitsplätzen verdrängen und ihre bisherige Arbeit beim Vorgesetzten in ein schlechtes Licht rücken und als unprofessionell darstellen könnte. Deswegen begannen sie, die neue Kollegin noch in der sechsmonatigen Probezeit zu mobben. „Die Neue“ wurde dem Chef gegenüber als nicht teamfähig und als inkompetent hingestellt. Gleichzeitig äußerten die beiden langjährigen Mitarbeiterinnen eigene Abwanderungsgedanken.

Der Chef wollte auf keine der drei Angestellten verzichten und beauftragte einen Mediator mit der Lösung des Konfliktes. Dieser gab zunächst jeder der drei Sachbearbeiterinnen Gelegenheit, ausführlich darzulegen, wie sie die Situation persönlich empfand. Die Erörterungen brachten schließlich die Sorgen und Befürchtungen der beiden langjährigen Mitarbeiterinnen zutage. Gleichzeitig kristallisierte sich heraus, dass in Wirklichkeit keine der Konfliktparteien ernsthaft das Ziel verfolgte, die andere endgültig von ihrem Arbeitsplatz zu verdrängen.

Am Ende des Mediationsverfahrens und nach Ausräumung der Missverständnisse auf beiden Seiten verständigten sich die Parteien auf folgende Lösung: Alle drei Kolleginnen erklärten sich dazu bereit, noch einmal einen Neuanfang miteinander zu versuchen. Zusätzlich wurde vereinbart, dass die neue Sachbearbeiterin nach Ablauf der Probezeit im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten zunächst befristet beschäftigt werden sollte. Dadurch wollten die bisherigen Teammitglieder sichergestellt sehen,  dass sie im Fall eines Scheiterns des gemeinsamen Neuanfangs nicht gezwungen wären, unbefristet mit der jungen Kollegin zusammenzuarbeiten. Sollte trotz aller Bemühungen keine konstruktive Zusammenarbeit zustande kommen, so würde man sich durch diese Regelung notfalls einfacher von der neuen Kollegin trennen können. Die neue Sachbearbeiterin erklärte sich damit einverstanden, dieses Risiko in Kauf zu nehmen.


Köln, im Juni 2006

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Bitte Beleg an: Centrale für Mediation,
Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln


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