Mobbing und Gewalt an Schulen

Mediation kann Konflikte lösen

Konflikte im Schulalltag sind gerade in diesen Tagen ein brennendes Thema. Was einmal mit kleinen Strei-tereien angefangen hat, führt im Laufe der Zeit oft zu verhärteten Fronten. Die Auseinandersetzungen wer-den immer aggressiver. Oft gipfeln sie in gezielten Schikanen, manchmal sogar in körperlicher Gewalt. Doch wie können Schüler lernen, toleranter miteinander umzugehen und besser miteinander auszukom-men? Schulmediation, eine pädagogische Methode zur Konfliktregelung zwischen Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Eltern, ist eine Möglichkeit. „Ziele der Schulmediation sind die Verbesserung des sozialen Klimas, die Entlastung der Lehrkräfte von Alltagsstreitigkeiten der Schüler, die Förderung von Toleranz und Konfliktfähigkeit und die Gewaltprävention. Den Schülern wird dabei die Gelegenheit gegeben, ihre Konflikte eigenverantwortlich zu regeln“, erklärt Dr. Karen Engler, Leiterin der Centrale für Mediation. 

So auch im Fall der achten Klasse eines Hamburger Gymnasiums: 25 Schüler machten sich dort das Leben gegenseitig schwer, und Cliquen grenzten einzelne Schüler massiv aus. Die Angriffe reichten von übler Nachrede über Bedrohungen bis hin zu mutwilliger Zerstörung persönlicher Sachen. Die von den Mitschü-lern drangsalierten Jugendlichen litten stark unter den Schikanen. Eine Schulmediatorin sollte helfen. Im Rahmen eines Trainings gab sie zunächst jedem einzelnen Schüler Gelegenheit, anonym seine ehrliche Meinung über die Situation in der Klasse zu äußern. Dabei kristallisierte sich schnell heraus, dass die Lage schon seit Jahren problematisch war, es immer wieder teils heftige Konflikte gab und man nicht richtig mit-einander auskam.

In einer ersten Übung arbeiteten die Schüler in selbstgewählten Gruppen heraus, wie die Situation in der Klasse weiter verschlechtert werden könnte. Eine Pinnwand wurde mit Vorschlägen gefüllt, wie: „sich nur noch gegenseitig anschreien“ und „eine Mauer durch die Klasse ziehen“. Sodann wurden Ideen gesammelt, wie die Situation verbessert werden könnte. „Toleranter mit Unterschieden umgehen“, Probleme direkt an-sprechen“ und „mehr cliquengemischte Zusammenarbeit“ waren einige der Vorschläge. Anschließend setz-ten die Schüler die Idee der „cliquengemischten Zusammenarbeit“ praktisch um: Sie wurden in Gruppen eingeteilt und erhielten die Aufgabe, aus einfachsten Materialien (Papier, Klebestreifen etc.) eine funktions-fähige „Maschine“ zu basteln. Alle zeigten sich danach von der unerwartet guten Zusammenarbeit erstaunt. „Wir hatten ein gemeinsames Ziel und wollten es unbedingt erreichen. Wir mussten uns zusammenreißen,“ so die Kommentare. In weiteren Übungen probierten die Jugendlichen unter anderem neue Formen des Umgangs untereinander aus und entdeckten in Gesprächen unerwartete Gemeinsamkeiten mit anderen Schülern. Durch Rollenspiele, in denen die Austragung von Konflikten geübt wurde, lernten sie außerdem, dass die hinter den Streitpositionen stehenden Interessen und Bedürfnisse geklärt werden müssen, um einen Konflikt lösen zu können. 

In der Abschlussrunde erklärten die Jugendlichen, es habe ihnen Spaß gemacht, in ungewohnter Konstella-tion zusammenzuarbeiten und auch einmal mit ganz anderen Schülern als sonst ins Gespräch zu kommen. Die Klasse sei näher zusammengerückt, und man habe unerwartete Gemeinsamkeiten entdeckt. Mehrere Wochen nach dem Training war eine nachhaltig Verbesserung des Klassenklimas zu verzeichnen: Im Un-terricht wurde ganz selbstverständlich weiter in gemischten Gruppen gearbeitet. Auf dem Schulhof standen Schüler aus unterschiedlichen Cliquen im ungezwungenen Gespräch zusammen.

„Das Hamburger Beispiel zeigt, wie Schulmediation dazu beitragen kann, Barrieren einzureißen und Vorur-teile zu überwinden,“ erläutert Dr. Karen Engler. „So wird der Weg für eine nachhaltige positive Entwicklung des sozialen Klimas an der Schule bereitet.“


Köln, im April 2006

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Bitte Beleg an: Centrale für Mediation,
Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln


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