Mediation und Ehevertrag - Konflikte im Voraus regeln
"Ehen werden im Himmel geschlossen, deshalb fällt man auch so tief", stellte einst der schwedische Literat August Strindberg fest.Für eine weiche Landung kann wiederum ein Ehevertrag sorgen. Er macht im Falle des Scheiterns der Ehe die Folgen im Voraus kalkulierbar. Dafür sollten Paare aber ihrem Harmoniebedürfnis trotzen und ihre wirklichen Interessen bereits vor der Heirat erkennen, ansprechen und regeln, rät die Centrale für Mediation (CfM).
„Wenn es darum geht, Eheverträge zu schaffen, die später auch Bestand haben sollen, ist eine mediative Herangehensweise ein geeignetes Mittel“, so Dr. Karen Engler von der CfM. Denn all zu oft würden Eheverträge wegen einseitiger Benachteiligungen von den Gerichten gekippt. Häufig könnten sich Paare kurz vor der Ehe noch gar nicht vorstellen, unterschiedliche Interessen zu haben. Und selbst, wenn künftige Eheleute den Schritt wagten, einen unromantischen Ehevertrag abzuschließen, hindere sie das Harmoniebedürfnis kurz vor der Hochzeit oft daran, sich wirklich über die eigenen Interessen und die des Partners klar zu werden. „Aber genau an dieser Stelle setzt das präventive Mediationsverfahren an“, erklärt Engler.
So war es zum Beispiel bei einem Ärztepaar, das wenige Wochen vor seiner Trauung eine Mediatorin aufgesucht hatte, um sich über Sinn und Notwendigkeit eines Ehevertrages beraten zu lassen. Der 45-jährige Mann war Facharzt für Orthopädie und sehr wohlhabend, während seine 32-jähige zukünftige Gattin kurz vor Berufsstart als Kinderärztin über keinerlei Vermögen verfügte. Der Mann war von seinen Eltern im Hinblick auf das anstehende Familienerbe zu einer Gütertrennung gedrängt worden. Außerdem wollte er im Falle einer Scheidung keinen Unterhalt an seine Frau zahlen. Gerade der zweite Punkt stieß bei seiner Partnerin auf Unverständnis. Die Positionen waren geklärt, die Situation verzwickt und die Mediatorin nun gefragt.
Statt beide Seiten wie auf einem Basar einen Ehevertrag aushandeln zu lassen oder einen solchen einfach nach Schema zu konstruieren, setzen Mediatoren auf kreative, zukunftsorientierte Lösungen. Und so war es auch in diesem Fall: Die Mediatorin hinterfragte die Ängste und Bedenken beider Seiten und entwickelte mit ihnen theoretische Lösungen für den Scheidungsfall, mit denen beide leben konnten. Dabei berücksichtigte sie die absehbare künftige Pension des Mannes und die beruflichen Einschränkungen der Frau, für den Fall, dass sich der gemeinsame Kinderwunsch bald erfüllen sollte. So wurde zum Beispiel vereinbart, dass der Mann für seine zukünftige Gattin eine Lebensversicherung abschließen würde, die ihr Auskommen ab dem 50. Lebensjahr bis zur Verrentung absicherte. Außerdem einigte man sich auf einen gegenseitigen Unterhaltsverzicht, sobald das jüngste Kind das 15. Lebensjahr vollendet haben würde. Die verschiedenen Absicherungsmodelle ließen die Partner auf Anraten der Mediatorin von zwei Versicherungsvertretern auf ihre Umsetzbarkeit und danach von zwei Außenanwälten auf ihre Rechtssicherheit überprüfen. Das Ergebnis war ein ausgewogener Ehevertrag, in dem sich beide Seiten wiederfanden und der ihnen ihre Ängste und Bedenken nahm.
Köln, im März 2006
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Gustav-Heinemann-Ufer 58, 50968 Köln

