Konfliktmanagement: "Mediation heißt schöner streiten"

Anfang Oktober leitete die Professorin für Mediation, Konfliktmanagement und Verfahrenslehre an der Viadrina Uni in Frankfurt/Oder, Ulla Gläßer, die internationale Mediationskonferenz "mediation moves". Aus diesem Anlass gab sie der Märkischen Oderzeitung ein Interview über Konfliktmanagement in der Politik und im Privaten.

Auf der Konferenz diskutierten rund 150 Mediatoren und Fachleute aus Theorie und Praxis unter anderem über weltweite Vermittlungsansätze. Prof. Gläßer betonte, dass es große Unterschiede bei den Zielen gebe, die der jeweilige Gesetzgeber in verschiedenen Ländern verfolge, wenn er Mediation fördere – und danach richte sich dann auch, welches Mediationsmodell angewandt wird. "Hierzulande wird vor allem die moderierende Mediation praktiziert, bei der der Mediator fragt, zusammenfasst, visualisiert und die Parteien selbst Lösungen finden. Auf der anderen Seite des Spektrums ist die evaluative Mediation, bei der der Mediator wie ein Schlichter arbeitet. In Deutschland ist der Mediator grundsätzlich ein Handwerker, bei dem etwa Herkunft und Alter keine Rolle spielen, solange die Person die Methoden beherrscht", so Gläßer. In asiatischen Ländern sei der Mediator eher der "weise Älteste".

Danach befragt, was sie sich fernab vom Unialltag wünsche, antwortete Gläßer: "Auf einer persönlichen Ebene wäre mein Wunsch, dass Menschen auch in schwierigen Situationen bereit bleiben, in die Schuhe des anderen zu treten - zumindest probeweise - und die Bereitschaft zum Perspektivwechsel aufrechterhalten. Aber auch auf anderer Ebene, bezogen auf die politische Kultur und Kommunikation in ganz Europa: Man sollte sich gegenseitig zuhören, statt sich an die Wand zu diskutieren und lieber einen echten Dialog führen statt Polarisierung und Eskalation zu schaffen."

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 24.10.2018 11:13
Quelle: www.moz.de

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