Suche nach einem Mediator bei Ryanair

Aufgrund von Warnstreiks musste die Billigairline Ryanair bislang 150 von 400 Flügen von und nach Deutschland streichen. Zu den Warnstreiks hatten die beiden Gewerkschaften VC Cockpit und Verdi aufgerufen.

Sie fordern Tarifverträge nach deutschem Recht und ein Gehalt, von dem sich leben lässt. In Deutschland beschäftigt Ryanair rund 1.000 Flugbegleiter, etwa 300 davon sind Verdi zufolge fest angestellt, 700 bei Leiharbeitsfirmen. Vor drei Monaten wurde das Entgelt auf Druck der Beschäftigten erhöht, offenbar bestand der Verdacht, die Entgelte verstießen gegen das Mindestlohngesetz.

Wie Verdi berichtet, liege das Entgelt für bei Ryanair direkt beschäftigtes Kabinenpersonal mit Basisgehalt plus Zulagen je Flugstunde zwischen 1.800 Euro (Flugbegleiter) und 2.700 Euro (Leitung Kabinencrew) brutto pro Monat. Die Mehrheit der Leiharbeiter bekommt demnach kein Basisgehalt, sondern nur die Flugstunden bezahlt. Verdi will einen Tarifvertrag nach deutschem Recht erreichen, bisher gilt meist das aus Sicht der Beschäftigten schwächere irische Recht, das etwa die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nicht garantiert und eine kurzfristige Zwangsversetzung an andere europäische Standorte möglich macht. Zudem soll es eine substanzielle Entgelterhöhung geben.

Auch bei den rund 400 Piloten ist eine Einigung auf einen Tarifvertrag in weite Ferne gerückt. Hier soll jetzt ein Mediator helfen. Ryanair schlug den irischen Arbeitsmarktspezialisten Kieran Mulvey vor, der bereits bei den irischen Piloten schlichtete. Die Gewerkschaft VC nannte Altkanzler Gerhard Schröder, Ex-Parteichef Martin Schulz, Ex-Wirtschafts- und Außenminister Sigmar Gabriel, Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und den ehemaligen EU-Kommissar Günter Verheugen (alle SPD).
 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 18.09.2018 13:42
Quelle: www.morgenpost.de

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