Puigdemont plädiert für eine internationale Mediation mit Spanien

Der katalanische Separatisten-Chef Carles Puigdemont, der derzeit in Deutschland inhaftiert ist, führte kurz vor seiner Festnahme mit dem Schweizerischen Radio und Fernsehen SRF ein Interview. Darin erläutert er, dass das Exil in Belgien für ihn persönlich eine harte Zeit sei.

"Brüssel ist aber für die Katalanen ein Zuhause, eine Heimat." Dass die EU diese Liebeserklärung nicht erwidert, hat Puigdemont so erwartet: "Die Institutionen und die EU-Staaten konnten nicht anders. Etwas aber hat mich sehr enttäuscht – und das sage ich als EU-Bürger, nicht als Politiker: Die Bequemlichkeit, die Indifferenz, die Insensibilität angesichts der Verletzung der Bürgerrechte, für die die EU sonst immer einsteht. Das tat weh." Ob er Probleme damit habe, wenn das ganze spanische Volk über die Unabhängigkeit abstimme, wollte das SRF noch wissen. Ausweichende Antwort Puigdemonts: "Ich sehe kein Problem, wenn ganz Spanien darüber abstimmt, aber entscheiden müssen schon die Katalanen".

Puigdemont favorisiert stattdessen eine Mediation. Wörtlich sagte er dem SRF: "Ich muss vorsichtig sein mit entsprechenden Appellen, darum halte ich mich fern davon. Aber ja, ich will eine internationale Mediation. Ich glaube, solche Konflikte setzen zuerst guten Willen voraus, aber auch Außenstehende, die uns dabei helfen, und die vor allem überprüfen, ob Vereinbarungen, die getroffen werden, eingehalten werden. Und zwar von beiden Seiten, auch der unseren. Da gibt es Länder, die ihre Hilfe bereits angeboten haben. Wir akzeptieren solche Hilfe bedingungslos, aber Spanien war bis jetzt nicht bereit dazu. Das ist sehr schade." Und dann kommt noch eine weitere Spitze Puigdemonts gegen die EU. Er habe gehofft, "dass mein Europa, das immer so mutig ist wenn es darum geht, anderen Ländern auf der Welt Lektionen zu erteilen, laut gesagt hätte, dass es nicht geht, dass die Polizei, wie bei uns geschehen, mit Gewalt Wahllokale stürmt. Das hat mich enttäuscht, ja."

Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 03.04.2018 10:19
Quelle: SRF online

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