Ombudsmann Hirsch rügt „zwielichtige“ Anwälte

Der ehemalige Präsident des Bundesgerichtshofs und heutige Ombudsmann für die Versicherungswirtschaft Prof. Dr. Günter Hirsch legt seinen Jahresbericht vor – und rüffelt gegen Anwälte, die die neuen digitalen Techniken beherrschen.

Etwa die Hälfte der 2017 beim Ombudsmann für die Versicherungswirtschaft eingegangenen Beschwerden betraf die Themenfelder Rechtsschutz- und Lebensversicherung. Knapp 80 Prozent der gut 19.000 Eingaben wurden für zulässig geklärt. Im Verhältnis zu den rund 400 Millionen Verträgen in der Lebens- und Kompositversicherung sei das letztlich nur ein sehr geringer Anteil, erläutert Günter Hirsch, der die Schlichtungsstelle seit nunmehr zehn Jahren führt.
„Bei mir gingen schon massenhaft Beschwerden von Anwälten ein, die ihre Dienste über das Internet Rechtsschutzversicherten insbesondere im Hinblick auf den Widerruf von Lebensversicherungen und die VW-Abgasmanipulationen anbieten“, zitiert das Branchenportal www.versicherungswirtschaft-heute.de den Ombudsmann. Dabei würden den Mandanten kostenlos Kurzhinweise zur Rechtslage gegeben verbunden mit dem Angebot, auf einen Klick hin zu prüfen, ob sie Ansprüche gegen den Lebensversicherer bzw. VW haben. Gegebenenfalls würden die Anwälte dann per Mausklick mit der Wahrnehmung der Rechte im Rahmen der bestehenden Rechtsschutzversicherung beauftragt. Von einem anwaltlichen Vertrauensverhältnis könne bei einer Mandatierung ohne jeden persönlichen Kontakt und ohne individuelle Beratung kaum mehr gesprochen werden, kritisiert Hirsch.
Spezifische Probleme träten bei derartigen Beschwerden beispielsweise auf beim konkreten Umfang der Bevollmächtigung oder bei der standardisierten Geltendmachung von Ansprüchen, die die jeweiligen konkreten Umstände des Einzelfalles außer Betracht ließen. Diese neuen anwaltlichen Geschäftsmodelle stellten die Rechtsschutzversicherer vor völlig neue Herausforderungen und würden den Ombudsmann zusätzlich belasten.

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 26.02.2018 17:30
Quelle: http://versicherungswirtschaft-heute.de/politik-regulierung/ombudsmann-hirsch-rugt-reiseversicherer-und-zwielichtige-anwalte/

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