VO über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren im Bundesgesetzblatt verkündet

Heute wurde die lange erwartete „Verordnung über die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren (Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung – ZMediatAusbV) im Bundesgesetzblatt verkündet.

Bereits am 31.1.2014 hatte das BMJV den Entwurf einer Zertifizierte-Mediatoren-Ausbildungsverordnung - ZMediatAusbV - vorgelegt, zu dem sich im Anschluss verschiedene beteiligte Fachkreise, Interessenvertreter und Berufsverbände äußerten. Die ZMediatAusbV ergeht auf der Grundlage des am 26. Juli 2012 in Kraft getretenen Mediationsgesetzes, das zwischen einfachen und zertifizierten Mediatoren unterscheidet und das BMJV ermächtigt, die Anforderungen für die Aus- und Fortbildung von zertifizierten Mediatoren durch Verordnung zu regeln. Mit der Verordnung sollen im Interesse der Qualitätssicherung und Markttransparenz Mindeststandards für die Ausbildung von zertifizierten Mediatoren festgelegt werden. Geregelt werden insbesondere Ausbildungsinhalte und -umfang, Fortbildungspflichten sowie die Anforderungen an die Aus- und Fortbildungseinrichtungen.

Die nunmehr vorliegende Verordnung bringt erwartungsgemäß keine großen Änderungen gegenüber der Entwurfsfassung von Anfang 2014. Die zentralen - teilweise sehr umstrittenen - Punkte wie Ausbildungsumfang, Übergangsregelungen sowie Zertifizierungssystem bleiben gegenüber der Entwurfsfassung weitgehend unverändert.

Gleichwohl enthält die Verordnung einige wichtige Neuerungen und Präzisierungen:

Neu ist vor allem die Verknüpfung von Zertifizierung und praktischer Erfahrung. Gemäß § 2 Abs. 5 ZMediatAusbV müssen Ausbildungsteilnehmer während des Ausbildungslehrgangs oder innerhalb eines Jahres nach dessen Beendigung an einer Einzelsupervision im Anschluss an eine als Mediator oder Co-Mediator durchgeführte Mediation teilgenommen haben. Eine Bescheinigung von der Ausbildungseinrichtung darf erst ausgestellt werden, wenn der Ausbildungslehrgang nebst Einzelsupervision durchgeführt wurde, § 2 Abs. 6. Damit sind sowohl die Durchführung eines praktischen Mediationsverfahrens als auch die Teilnahme an einer Einzelsupervision notwendige Voraussetzung für die Zertifizierung, die die Entwurfsfassung nicht vorgesehen hatte.

Weiter enthält der Verordnungstext eine nicht unbedeutende Präzisierung gegenüber der ursprünglichen Textfassung. Gemäß § 2 Abs. 4 ZMediatAusbV hat der Umfang des Ausbildungslehrgangs „mindestens 120 Präsenzzeitstunden“ zu umfassen. Demgegenüber sprach die Entwurfsfassung von „Zeitstunden“ und ließ damit offen, ob die Ausbildungszeiten (in Teilen) auch durch Selbststudium erbracht werden können.

Die Regelung zum Umfang der Fortbildungspflichten wurde etwas gelockert und gestattet nun mehr Flexibilität: Anstatt 20 Zeitstunden in zwei Jahren sieht die Verordnung jetzt 40 Zeitstunden in vier Jahren vor. Die Besonderheit auch hier – die Verknüpfung von Erfahrungsanforderungen und Supervision. Nach § 4 der ZMediatAusbV muss ein Mediator nach Abschluss seiner Ausbildung zum zertifizierten Mediator innerhalb von 2 Jahren im Anschluss eines durchgeführten praktischen Mediationsverfahrens mindestens viermal an einer Einzelsupervision teilnehmen.

Diese Zusammenfassung stellt lediglich eine kurze Übersicht der wesentlichen Neuerungen dar. Eine umfassende Übersicht nebst Kommentierungen finden Sie in den kommenden Ausgaben von ZKM.

Die heute verkündete Rechtsverordnung tritt nach einer Übergangsfrist von einem Jahr am 1.9.2017 in Kraft.

Einen Link zur amtlichen Fassung des Gesetzestextes finden Sie hier.
 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 31.08.2016 13:09
Quelle: Redaktion Centrale für Mediation

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