Konfliktmanagement in Hochschule und Wissenschaft

Konflikte an Hochschulen entstehen häufig im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Verwaltung. Beim 6. Netzwerktreffen Konfliktmanagement und Mediation des HIS-Instituts für Hochschulentwicklung (HIS-HE) diskutierten Teilnehmer Ende November in Hannover über Konfliktmanagement und Konfliktbearbeitung in Hochschule und Wissenschaft.

In seiner Einführung zeigte Dr. Peter Altvater (HIS-HE) auf, wie an Hochschulen Konflikte die Normalität durcheinander bringen können – aber auch aufmerksam machen und zur kommunikativen Auseinandersetzung auffordern. Konflikte können einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Organisation liefern und Veränderungen einleiten.

Dr. Wolfgang Hiltscher (Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie, Georg-August-Universität Göttingen) fokussierte in seinem Vortrag die Disparität im Verhältnis von Expertenorganisation und Bürokratie: Auf der einen Seite die Bürokraten, auf der anderen die Experten. Die Bürokraten wollten Komplexität reduzieren, indem sie etwa Regeln setzen, Hierarchien fixieren, Verantwortlichkeiten zuweisen. Die Wissenschaftler pflegten die Autonomie der Experten, setzten etwa auf intrinsische Motivation, orientierten sich an Peers. Im Konflikt stünden sich symbolisch der Elfenbeinturm der Wissenschaft und die Trutzburg der Verwaltung gegenüber. Beide müssten kooperieren, können sich aber auch das Leben schwer machen. Der Konflikt sei programmiert. In diesem Fall könne das komplexe universitäre Konfliktgeschehen über ein ebenso komplexes integratives Konfliktmanagement in eine gute Richtung gesteuert werden.

„Der Umgang mit Konflikten in Hochschulen hat eine quantitative sowie eine qualitative Relevanz“, konstatierte Dr. Christian Hochmuth (Institut für Konfliktmanagement, Europa-Universität Viadrina). Dieses seien die steigenden Studierenden- und Mitarbeitendenzahlen in Hochschulen sowie gesellschaftliche Erwartungen an die Hochschulen, auch in ihrer Rolle als Multiplikator. Hinsichtlich der Herausforderungen für ein Konfliktmanagement in Hochschulen hielt Hochmuth u. a. fest: „Streit gehört zur Forschung, das Ringen um das bessere Argument.“ Streit sei somit eine Leitidee für Hochschulen. Hochmuth nannte drei Kennzeichen für eine institutionalisierte Konfliktbearbeitung: Das Grundbekenntnis der Organisation ist vorhanden (wir haben Konflikte und wir bearbeiten Konflikte mit entsprechenden Ressourcen), der Vorgang ist formalisiert (jeder hat die Chance seinen Fall bearbeiten zu lassen) und die Konfliktbearbeitung ist verfahrensgeleitet (der Prozess ist festgelegt und verlässlich). Institutionalisierte Verfahren sorgen seiner Meinung nach dafür, dass die Chancen der Fallbearbeitung steigen und die Transparenz groß sei.

In der anschließenden Diskussion wurde auf den Zusammenhang mangelnder Arbeitszufriedenheit und psychischen Erkrankungen infolge ausbleibender Konfliktbearbeitung hingewiesen. Dissens bestand darüber, ob der „Konflikt auch Konflikt“ zu nennen ist oder ob eine andere Nomenklatur in diesem Kontext förderlich sei. Hiltscher stellte am Ende der Diskussion abschließend fest, „ Personen dürfen nicht beschämt werden“, dieses sei eine wichtige Prämisse im Umgang mit Konflikten.

Das 6. Netzwerktreffen Konfliktmanagement und Mediation des HIS-HE endete mit einer themenbezogenen, moderierten – auf Vertraulichkeit ausgelegten – kollegialen Beratung in Kleingruppen.
 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 20.01.2016 09:26
Quelle: PM HIS vom 3.12.15

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