Thüringer Impulse für alternative Streitbeilegung am Bau

Bei Baukonflikten kommt es noch stärker als in anderen Bereichen auf eine frühzeitige, deeskalierende, von Sachkunde getragene Konfliktbehandlung an. Dies war das eindeutige Ergebnis einer von der Initiative „Thüringen schlichtet“ an der IHK Erfurt veranstalteten Tagung.

Mit rund 100 Teilnehmern fand die erste Gemeinschaftsveranstaltung dieser vom Thüringer Justizministerium und neun Verbänden aus den Bereichen Rechtspflege und Wirtschaft begründeten Kooperation eine beachtliche Resonanz. Da die Referenten aus unterschiedlichen Blickwinkeln über eigene Erfahrungen mit Baukonflikten berichten konnten, gewannen ihre Ausführungen besondere Anschaulichkeit und Überzeugungskraft.

Es bestand Übereinstimmung, dass Gerichtsverfahren in manchen Fällen unvermeidbar sind, wegen der damit verbundenen Belastungen und Zeitverluste aber nach Möglichkeit abgewendet werden sollten. Anhand praktischer Beispiele wurde aufgezeigt, wie in manchen Fällen zukunftsorientierte Lösungen erzielt werden können, indem die Beteiligten durch Mediation dazu gebracht werden, verborgene Interessen aufzudecken und gemeinsam kreative Ideen zu entwickeln. In der Regel sei bei Baukonflikten ein fachkundiger, stark führender Mediator gefragt. Ein gemeinsam beauftragter Sachverständiger (als Schiedsgutachter oder unter Einbindung in eine Mediation) könne wesentlich zur Konfliktbeilegung beitragen.

Einen besonderen Akzent erhielt die Tagung dadurch, dass die Notwendigkeit der Konfliktvorbeugung ins Blickfeld gerückt wurde. Diese sei bereits bei der Anbahnung und der Ausgestaltung von Bauverträgen zu beachten. Schon in diesem Stadium lohne sich oft die Einschaltung von Sachverständigen. Auf jeden Fall müssten in den Vertrag Vereinbarungen für den Konfliktfall (Nachträge, Verzögerungen, Mängelbehauptungen) aufgenommen werden, die eine rasche, abgestufte Vorgehensweise festlegen, etwa durch Verhandlungen auf höherer Managementebene, Beauftragung eines Schiedsgutachters, Mediation, Adjudikation oder Schlichtung. Ideal sei die Einrichtung eines baubegleitenden Konfliktmanagements, d.h. von Gutachtern, Mediatoren oder Adjudikatoren, die bei Auftreten einer Störung sogleich aktiv werden und auch Interimsregelungen herbeiführen können. Angeregt wurde, auch in die Vergabeverfahren konfliktvermeidende Bedingungen einzubauen.

Den größten Beifall des fachkundigen Publikums erhielt Rechtsanwalt und Mediator Andreas Klein, als er seine Darlegungen zu den unmittelbaren und internen Kosten eines Gerichtsverfahrens mit der Bemerkung schloss: „Jeder nicht geführte Prozess ist ein gewonnener Prozess“.

Die Tagung wurde moderiert von Rechtsanwalt und Mediator Holger Saubert. Weitere Referenten waren die Sachverständige Birgit Lange-Espig, Rechtsanwalt Christian Meier, der frühere Präsident der Ingenieurkammer Thüringen Prof. Ulrich Mönnig und die Bauunternehmerin Colette Boos. IHK-Präsident Dieter Bauhaus wünschte in seinem Schlusswort, dass von der Veranstaltung viele Impulse für eine konstruktive und wirtschaftliche Konfliktbeilegung ausgehen mögen.

 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 12.11.2014 07:32
Quelle: Mitteilung Prof. Dr. Reinhard Greger vom 7.11.2014

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