Umfrage: Mediation hat in der Praxis noch Potentiale

Erfolgreiche Mediationsspezialisten unter den Anwälten einerseits, zu wenig Verankerung in der Breite der Anwaltschaft anderseits - das ist das Ergebnis einer Mitgliederumfrage zur Anwendung des alternativen Streitschlichtungsverfahrens der Arbeitsgemeinschaft Mediation im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Laut Umfrage erzielen 20 Prozent der befragten Rechtsanwälte bereits über 30 Prozent ihres Umsatzes mit Mediationen. Für mehr als die Hälfte dieser Gruppe sorgen Mediationen mittlerweile sogar für den Hauptumsatz ihrer Kanzlei. Diesen Spezialisten stehen aber 80 Prozent der befragten Anwaltsmediatoren gegenüber, die keine Steigerung ihrer Mediationstätigkeit im Vergleich zum Vorjahr ausmachen können. In den allermeisten Fällen würden die Streitigkeiten wie gehabt vor Gericht ausgetragen.

Als Gründe dafür sehen die Rechtsanwälte vor allem ein noch unklares Nutzenversprechen der Mediation, da Abläufe und Kosten für Rechtsanwälte, Mandanten und Prozessgegner weithin unbekannt und ungewohnt seien. Zudem stünden eigenwillige Regelungen einiger Rechtschutzversicherungen und eine fehlende Unterstützung analog zur Prozesskostenhilfe der weiteren Verbreitung der Mediation durch Rechtsanwälte im Wege.

Der Frankfurter Rechtsanwalt und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Mediation im DAV, Dr. Thomas Lapp, sieht die Lage durchaus selbstkritisch: „Weite Teile der Mandantschaft – aber auch der Anwaltschaft – tun sich mit der alternativen Streitschlichtung noch schwer. Es wird aus Unkenntnis und Gewohnheit öfter der klassische Weg zum Gericht beschritten, als es notwendig und sinnvoll wäre.“ Da bringe die Mediation zahlreiche Vorteile.

Insbesondere angesichts der zahlreichen Streitfälle im Handelsrecht sowie im Familien- beziehungsweise Erbrecht sei dies bedauerlich, da alternative Lösungsverfahren unter aktiver Mitarbeit der Parteien und ihrer Rechtsanwälte in vielen Fällen weitaus besser geeignet seien, Konflikte einverständlich und dauerhaft zu regeln.

Zudem fordere die Zivilprozessordnung mit § 253 Abs. 3 zumindest die Prüfung einer alternativen Streitschlichtung und damit indirekt die ausführliche Beratung der Mandanten, was aber in der Praxis zu wenig beachtet würde. Das hält Lapp für ein unterschätztes Thema, da zu einer umfassenden Beratung auch die Möglichkeiten der außergerichtlichen Streitschlichtung gehörten.

 

Verlag Dr. Otto Schmidt vom 06.08.2014 09:54
Quelle: PM DAV vom 1.8.2014

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